Ein glückliches und kämpferisches 2026 wünscht unsere spanische Schwestergewerkschaft CNT – diese Wünsche erwidern wir und schließen uns dem gerne an!

Broschüre „Deine Rechte im Job“ wieder erhältlich

Die Broschüre „Deine Rechte im Job“ der Freien Arbeiter*Innen Union (FAU) war einige Zeit vergriffen, ist jetzt aber wieder bei den Syndikaten der FAU erhältlich. In Stuttgart gibt es über die dortige FAU die Möglichkeit, sich sein Exemplar zu den Öffnungszeiten des Stadtteilzentrums Gasparitsch dort abzuholen.
Die Broschüre gibt kurzgefasst die wichtigten Informationen zu allgemeinen Rechten bei der Arbeit wieder und hilft bei der Erstorientierung im komlizierten Geflecht von Arbeitsrecht, Betriebsverfassungsgesetz und Tarifverträgen.
Aber auch hier gilt: Allein machen sie Dich ein, letzlich ist jedeR Beschäftigte gefordert, organisiert die erkämpften Rechte durchzusetzen und auch zu erweitern bis hin zu einer solidarischen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. An einer Organisierung in einer Gewerkschaft wie der FAU führt letztlich kein Weg vorbei.
Die Broschüre gibt es zusätzlich hier als Download.
IGG verurteilt Kontokündigungen bei linken Organisationen
Im Laufe des Dezembers wurden immer mehr Fälle bekannt, in denen u.a. die GLS, die Ethik-, Umwelt- und Deutsche Bank linken Organisationen aus verschiedenen Spektren und Themenfeldern die Bankkonten gekündigt haben. Betroffen sind u.a. Umweltgruppen und die Organisation Rote Hilfe. Auslöser scheint Druck der rechten Trump-Regierung zu sein. Die Initiative Grüne Gewerke (IGG FAU) verurteilt diesen Angriff auf die humanistische Opposition Deutschlands aufs schärfste.
Binnen weniger Wochen haben verschiedene Banken in Deutschland begonnen, linken Organisationen, aber auch Einzelpersonen, bestehende Bankkonten zu kündigen oder die Eröffnung weiterer Konten zu versagen. Dabei ist unklar, ob das erst der Anfang ist und welche Institutionen es noch treffen kann. Banken und Politik schweigen sich über die Hintergründe bis jetzt beharrlich aus. Journalist:innen der Süddeutschen Zeitung sehen allerdings politische Vorgaben der Trump-Administration als Auslöser. Dieser beispiellose Angriff auf die humanistisch-linke Zivilgesellschaft behindert die Arbeit tausender Menschen, gefährdet die Lebensführung der betroffenen Privatpersonen und ist ein schwerer Angriff auf die politische Meinungs- und Organisationsfreiheit in Deutschland.
Wolf Meyer von der IGG dazu: “Hier zeigt sich, wie stark der Rechtsruck der USA und die Macht von rechtsradikalen Tech-Giganten bereits reicht, der hierzulande mindestens in der AfD willige Vasallen findet. Was hier passiert, ist ein Angriff auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands und ihr Recht auf Koalitionsfreiheit. Banken und deutsche Politik müssen sich jetzt entscheiden, ob sie sich für die Organisationsfreiheit oder dagegen positionieren.” Binnen weniger Tage organisieren sich bereits Tausende, darunter viele Gewerkschafter:innen der FAU für Protest- und Widerstandsaktionen.
Die Initiative Grüne Gewerke ist eine basisdemokratische und antikapitalistische Branchengewerkschaft für Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Umweltberufe. Sie ist im Gewerkschaftsverband FAU und in der internationalen International Confederation of Labour organisiert.
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Presseberichte u.a.:
- ND, 26.12.: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196449.debanking-gls-bank-kuendigt-linken-organisationen-n-und-erntet-proteststurm.html
- SZ, 23.12.: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hilfe-e-v-kuendigungen-bankkonten-deutschland-ofac-li.3358715
- ND, 23.12.: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196419.repression-per-debanking-die-zeiten-werden-haerter.html
- taz, 23.12.: https://taz.de/Alle-Konten-gekuendigt/!6140903/
Quelle: Initiative Grüne Gewerke (IGG), 29. Dezember 2025
Debanking ist kein Zufall
🚨 Debanking ist kein Zufall.
Wenn linken Organisationen und Einzelpersonen Bankkonten gekündigt werden, geschieht das nicht im luftleeren Raum.
🏦 Banken handeln unter massivem internationalem Druck, verschärften Compliance-Vorgaben und politischen Machtverschiebungen.
🌍 Autoritäre Regierungen wie das Trump-Regime haben weltweit Maßstäbe gesetzt, die Solidarität, Antifaschismus und menschenrechtsorientierte Arbeit als Risiko markieren.
✊ Die Folgen tragen Initiativen, die sich gegen Krieg, Repression und soziale Ausgrenzung einsetzen.
📉 Debanking ist damit Ausdruck eines globalen Rechtsrucks, der über Finanzsysteme durchgesetzt wird.
🤝 Dagegen haben sich Betroffene und solidarische Unterstützer:innen zusammengeschlossen.
📢 Sie machen diese Zusammenhänge sichtbar und organisieren Widerstand gegen politischen Ausschluss durch ökonomischen Druck.
🔥 Solidarität lässt sich nicht kündigen.
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Wandel.Kino: „Ohne Chefs – Demokratie bei der Arbeit“ + Filmgespräch im Anschluss
Wann: –
Wo: Raupe Immersatt
Wer: Klasse & Methode – IT Kollektiv Stuttgart , Raupe Immersatt
Was: Kino , Politische Ökonomie
WANDEL.KINO IN DER RAUPE
Wir freuen uns, euch mit unserer Film-Reihe „WANDEL.KINO“ inspirierende Filmwerke zu zeigen, die in uns etwas nachhaltig ausgelöst haben: Filme, die gesellschaftspolitische Impulse setzen, die Lust machen, sich tiefgehender mit sozialen und/oder ökologischen Themen zu beschäftigen. Filme, die Missstände aufzeigen und uns zum Nachdenken anregen. Filme, die unbequem sind und uns unsere Privilegien vor Augen führen. Filme, die aber auch Räume für neue Möglichkeiten und Chancen öffnen und uns ermuntern, gleich loszulegen. Filme, die die Schönheit unserer Welt porträtieren und die uns motivieren, unsere Routinen und Muster zu durchbrechen, um für ihren Erhalt in Zeiten von Krisen zu kämpfen.
DIESMAL „OHNE CHEFS – DEMOKRATIE BEI DER ARBEIT“ (D, 2025) INKLUSIVE FILMGESPRÄCH IM ANSCHLUSS
Manche Menschen können sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Selbst eine Arbeit ohne Chef kann sich kaum jemand vorstellen. Dabei gibt es schon heute Projekte die ganz ohne Chefs auskommen. Wir machen uns auf die Reise in eine andere Welt: Eine alternative Ökonomie, die innerhalb des omnipräsenten Kapitalismus funktionieren will und muss. Eine Alternative, die ständig wie im Krieg lebt. Denn Solidarität, gemeinschaftliches Wirtschaften und gegenseitige Hilfe sind kein Normalzustand – sie sind hart erkämpfte Ausnahmen. Menschen erzählen darüber, wie sie ihr Leben der Idee einer besseren Zukunft widmen. Wie sie sich gegenseitig solidarisch unterstützen und wie sie sich damit gegen Ausbeutung und Dehumanisierung stellen. »Ohne Chefs« soll zugänglich sein und Menschen abholen, die immer dachten, dass es nichts anders als Maloche unter Chefs gibt. Und wir zeigen die Menschen hinter den Ideen der »Demokratie bei der Arbeit« und, dass sie trotzdem ganz normale Menschen sind.
GESPRÄCH & DISKUSSION DANACH
Besonders freut uns, dass Regisseur Mario Burbach bei der Veranstaltung mit dabei ist und eure Fragen zum Film beantwortet. Als weitere Gäste begrüßen wir Mitglieder aus Stuttgarter kollektiv- und selbstverwalteten Organisationen, die euch live aus der Praxis berichten. Perspektiven entdecken, Hintergründe erfahren, Erfahrunge austauschen – seid gespannt!
HINTERGRUND
Die Raupe fördert den Erhalt von Independent Filmen und setzt sich damit für mehr analoge Filmkunst ein. Mit einem Besuch der Veranstaltung unterstützt ihr nicht nur die Raupe als gemeinnützigen Kultur- und Bildungsort, sondern auch unabhängige Filmverleihe und Filmeschaffende, deren Werke fernab von Streaming-Giganten produziert und verliehen werden. Lasst uns echte Programmvielfalt leben und uns auch daran erinnern, die Kino-Kultur und all die vielen kleinen Filmtheater zu erhalten. Was euch der Abend und das Erlebnis wert sind, entscheidet ihr selbst – nach euren Möglichkeiten!
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ThiKZNcroB8
Mit: Raupe Immersatt
So entstand schon Ende 2016 im Team die Idee, ein foodsharing-Café in Stuttgart zu eröffnen. In ungezwungener Atmosphäre und gemütlichem Ambiente soll ein Raum zum Austausch für lebbare Nachhaltigkeit geschaffen werden – nicht mit dem Zeigefinger, sondern auf Augenhöhe. Kostenlose gerettete Lebensmittel, Getränke zum selbst bestimmten Preis und ein buntes Programm mit Bildungsveranstaltungen, Konzerten und Kunst – das Konzept von Raupe Immersatt war geboren.
Mit: Commons AG der Solawi Stuttgart
Die AG Commons beleuchtet SoLaWiS als Commons-Projekt. Mit Blick auf die Lage der Welt engagieren wir uns dafür, dass SoLaWiS zu einer Gesellschaft beiträgt, die auf Commons, gesellschaftlichem Eigentum und kooperativer Entscheidungsfindung beruht. Unter Commons verstehen wir einzelne Organisationen oder Projekte, in denen die Teilnehmenden selbstverwaltet ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Infrastruktur und Ressourcen selbst eignen oder nutzen, und ihre Regeln untereinander vereinbaren. (siehe Vision und Leitbild 2019) Eine ausführliche Erklärung der Begriffe Commons und Commoning findet sich auf der Internetseite des Commons-Institut e.V.: https://commons-institut.org/was-sind-commons
Mit: FAU Stuttgart
Die FAU Stuttgart ist eine Basisgewerkschaft, in der Beschäftigte aus allen Branchen organisiert sind. Es gibt bei uns keine bezahlten Funktionäre. Die Mitglieder treffen die Entscheidungen selbst. Bundesweit sind wir mit anderen lokalen Gewerkschaften in der Freien Arbeiter*innen Union (FAU), weltweit in der Internationalen Arbeiter*innen Konföderation (IKA) zusammengeschlossen. Statt auf den Staat oder Politiker zu vertrauen, bauen wir auf unsere eigene Kraft und setzen unsere Forderungen mit Solidarität und direkten Aktionen durch. Wir streben eine herrschaftsfreie Gesellschaft jenseits des Kapitalismus an. Dafür sind wir schon heute aktiv.
Mit: Klasse & Methode – IT Kollektiv Stuttgart
Wir sind ein Kollektiv von Personen, die sich zum Ziel gesetzt haben gemeinschaftlich (Open Source) IT Projekte durchzuführen. Unsere Projekte sind aber nicht nur Selbstzweck, sondern haben immer auch eine politische Komponente. Unser Hauptprojekt ist die Entwicklung und der Betrieb des Veranstaltungskalenders EINTOPF Stuttgart. Darüber hinaus bieten wir unkommerziellen IT Support für selbstorganisierte Gruppen, die unsere Werte teilen, mit Fokus auf Stuttgart und die Region. Dabei versuchen wir eine möglichst unabhängige IT-Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben, fernab von Amazon, Google und Co.
Mit: Mario Burbach
Eine Reise zu Gewerkschafter*innen in Andalusien: Interview mit Christoph von der Brigade Claudia Jones

„Es ist September und die internationale Brigade Claudia Jones ist in Almería angekommen. Seit Montag, den 08.09 sind wir fünf Brigadist:innen vor Ort. Die ersten Tage waren wir damit beschäftigt, die Unterkunft nutzbar zu machen, die kommenden Wochen konkret zu planen, und in den Gewerkschaftsalltag einzusteigen. Im folgenden Bericht wollen wir euch mehr zu der Brigade Claudia Jones erzählen, die aktuelle Situation umreißen, unsere Ziele vorstellen, und einen Einblick in die erste Woche geben. Als Brigade haben wir uns drei Brigadeziele vorgenommen: die Unterstützung des „banalen“ Alltags der SOC-SAT Gewerkschaft, das gemeinsame Gestalten eines Graffitis vor den Räumen der SOC-SAT in Almeria und die Entwicklung von politischen Bildungsformaten mit den SOC-SAT Genoss:innen zu gewerkschaftlichen Themen. (…)“
Im Interview erzählt Christoph („) von der Teilnahme an der Brigade Claudia Jones, ihren Zielen und Erfahrungen im Austausch mit Gewerkschafter*innen der SOC-SAT in Andalusien (und erklärt auch was eine Brigade eigentlich ist 🙂 ).
Die Berichte zur Brigade finden sich unter den folgenden Links:
• Erster Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones
• Zweiter Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones
• Dritter Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones
Quellen: Freie Radios, interbrigadas.org
Tübingen: Vernetzungstreffen der Grünen Gewerke
Liebe Kolleg*innen, liebe Azubis, liebe Mitstreiter*innen in den Grünen Gewerken,
am Sonntag den 23. November 2025 treffen wir uns um 14 Uhr in der Schellingstrasse 6 in Tübingen, um in einen Austausch über unsere Arbeitsbedingungen im grünen Bereich zu kommen.
Warum?
Auch wenn wir unsere Berufe meistens für sinnvoll halten und gerne im Gartenbau und in der Landschaftspflege tätig sind oder waren, leiden viele von uns im Betrieb unter zahllosen Überstunden, wenigen Urlaubstagen und Urlaubssperren, langen und unbezahlten Anfahrten und oft auch unter sexistischer und rassistischer Diskriminierung oder cholerischen Chef*innen. Auch nicht eingehaltene Pausen, körperlich harte Arbeit bei allen Witterungslagen, der Umgang mit fragwürdig zusammengetüftelten Maschinen und Pflanzenschutzmitteln und ihre gesundheitlichen Folgen machen uns zu schaffen. Nur ein Bruchteil von uns schafft es in den körperlich und psychisch anstrengenden Bereichen der Branche bis zur Rente.
Die Zahl der meldepflichtigen Unfälle lag in den letzten Jahren in unseren Branchen zwischen 57.000 und 61.000, wobei alle wohl aus Erfahrungen wissen, dass leider viele Kolleg:innen Arbeitsunfälle nicht melden.wir erleben auch, dass Freund:innen und Genoss:innen ihren Beruf wechseln müssen, weil sie den Arbeitsalltag nicht mehr packen.
Was können wir tun?
Aber wir können das auch ändern: Mit der basis-gewerkschaftlichen “Initiative Grüne Gewerke” (IGG-FAU) haben in den vergangenen Monaten zwei Landarbeiter:innen bei der Auseinandersetzung mit einem Landwirtschaftsbetrieb bei Potsdam bei ihrem ehemaligen Chef bereits über 10.000€ Lohn, Urlaubsentgelt und Mietkaution eingetrieben, wobei es u.A um 270 nicht bezahlte Überstunden aus einem Arbeitsjahr ging. Das Programm und die Forderungen der Initiative Grüne Gewerke findet ihr unter https://gruene-gewerke.fau.org/?page_id=426.
Lass uns treffen!
Wir von der Freien Arbeiter*innen Union (FAU) Tübingen Reutlingen finden, dass es auch hier im Ländle an der Zeit ist uns in unserer Branche zu organisieren. Dafür wollen wir am einen Raum für Austausch und Vernetzung schaffen und anschließend am liebsten einen regelmäßigen Austausch starten, der je nach Bedarf entspannt, freundschaftlich, fachlich oder arbeitsrechtlich sein kann. Wir wollen ein Netzwerk der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung von uns Auszubildenden und Arbeitnehmer*innen schaffen – für uns selbst und die nach uns kommen und können dabei auch an bereits vorhandene solidarische Netzwerke bundesweit und international anknüpfen. Wir wollen uns einen Überblick über die Situation in Betrieben in der Region verschaffen und gemeinsam über unsere eigene Rechte lernen und diese dann auch einfordern.
Kommt vorbei!
Wir wollen uns über unsere Situation in unseren Betrieben austauschen und uns kurz über die unsere Möglichkeiten mithilfe von Basis-Gewerkschaften informieren. Außerdem gibt es eine warme Mahlzeit, Snacks und Getränke. Was danach passiert ist euch überlassen! Alle im grünen Bereich, die kein Chef oder Chefin sind, sind herzlich Willkommen! Sonntag den 23.November 2025 14-17 Uhr, Schellingstraße 6, Tübingen
Erfolg für gewerkschaftliche Beratung: FAU unterstützt bei Lohnnachzahlung
Die gewerkschaftliche Beratung der Freien Arbeiter*innen Union (FAU) Tübingen-Reutlingen hat kürzlich zu einem erfolgreichen Abschluss eines Arbeitskonflikts geführt. Ein junger Beschäftigter wandte sich an die FAU, nachdem ihm eine große Einzelhandelskette den letzten Monatslohn verweigerte. Der Hintergrund: Die Filiale stellte keine Minijobber mehr ein und kündigte kurzerhand allen geringfügig Beschäftigten – darunter auch dem Betroffenen, der im letzten Monat seiner Beschäftigung krankheitsbedingt nicht arbeiten konnte.
Die FAU konnte rasch klären, dass der Lohnanspruch trotz Erkrankung weiterhin bestand, und forderte diesen gemeinsam mit dem Betroffenen ein. Dank solidarischer Unterstützung und gewerkschaftlichem Druck wurde die Auszahlung des ausstehenden Lohns erfolgreich durchgesetzt.
Die FAU Sektion Tübingen-Reutlingen bietet jeden vierten Montag im Monat von 18 bis 19 Uhr eine offene gewerkschaftliche Beratung im Büro Aktiv (Bei der Fruchtschranne 6, 72070 Tübingen) an. Alle Interessierten und Beschäftigten mit Fragen oder Problemen rund um ihr Arbeitsverhältnis sind herzlich willkommen.
Dresden: Wegen Kündigungen? Arbeitskampf in der Neustädter Gastro
Die Dresdner Neustadt ist bekannt für ihre Kneipen und Bars. Das Image des Szeneviertels, wo nach dem Stadtbummel lauschige vegane Cafés und urige Bars Besucher*innen erwarten, passt in das Marketing der Stadt wunderbar hinein. Doch die Gastro-Branche ist traditionell Ort schlechter und ungesunder Arbeitsbedingungen. Da bildet auch die Neustadt keine Ausnahme wie ein neuerlicher Arbeitskampf im veganen Café „V-Cake auf der Rothenburger Straße zeigt. Neben schlechten Arbeitsbedingungen steht auch der Vorwurf im Raum, der Chef des Cafés habe sich gegenüber Mitarbeiter*innen übergriffig verhalten.
Protest gegen fristlose Kündigung
Im August 2025 organisierte die anarchistische Gewerkschaft „Freie Arbeiter*innen Union“ (FAU) eine spontane Kundgebung vor dem Café. Nach eigenen Aussagen kamen etwa sechzig Menschen zu der Aktion unter dem Motto „Süße Kuchen, bittere Jobs“ am 27. August 2025. Anlass war die fristlose Kündigung eines Mitarbeiters, sowie die sehr kurzfristige Kündigung einer weiteren Arbeiter*in, nachdem diese sich laut Gewerkschaft FAU über die schlechten Arbeitsbedingungen beschwert hätten.
Die Gewerkschaft zog gegen die fristlose Kündigung vor Gericht. Doch zur Verhandlung kam es nicht. Der Inhaber des Cafés wandelte die Kündigung kurz vor Verhandlungsbeginn in eine fristgerechte um. Die FAU Dresden kündigte allerdings an, weiterhin Proteste gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu organisieren. Ehemalige Angestellte des Cafés berichteten von „einem schlicht unerträglichen Arbeitsklima“, gegen das man vorgehen wolle.
„Gezielte Einschüchterung und systematischer Machtmissbrauch“
Im September erschien nun ein Artikel von Marvin Graewert auf der Nachrichtenplattform t-Online, der ein ganz neues Licht auf die Auseinandersetzung werfen könnte. Im Artikel werden die Erfahrungen von sechs anonym bleibenden Arbeiter*innen eines ebenso nicht näher benannten „beliebten Dresdner Cafés“ geschildert.
Der Arbeitsalltag sei geprägt worden von Annäherungsversuchen durch den Chef des Cafés, welcher immer wieder und gegenüber mehreren Arbeiter*innen anzügliche Bemerkungen und ungewollte Berührungen gemacht habe. „Er hat ständig versucht, Körperkontakt herzustellen, wahrscheinlich um das möglichst beiläufig zu normalisieren.“, wird eine Arbeiterin in dem Artikel zitiert.
Auf Ablehnung und Kritik habe der nicht namentlich bgenannte Chef heftig reagiert. So soll er in einem Fall jegliche Kommunikation sogar organisatorischer Natur für die Arbeit eingestellt und die Angestellte mit Schweigen bestraft haben. In einem anderen Fall habe er systematisch Druck ausgeübt, etwa in dem er mit Stoppuhr jede Bewegung einer Angestellten dokumentiert habe. Bis heute hätten alle Betroffenen starke psychische Belastungen von der Arbeit in dem Café davon getragen. Eine Arbeiterin verließ die Branche danach für immer.
Von derartigen Fällen war allerdings in der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaft FAU nie die Rede gewesen. Auch auf eine Nachfrage seitens addn.me äußerte sich die Gewerkschaft nicht zur Frage, ob es zwischen ihren Protesten und dem Artikel bei t-Online einen Zusammenhang gäbe. Die Gewerkschaft verwies aber darauf, dass sexualisierte Gewalt in hierarchischen Beziehungen mit starken Abhängigkeiten besonders häufig vorkomme. Entsprechend öffneten prekäre Anstellungsverhältnisse – wie häufig in der Gastronomie – Belästigung und sexualisierter Gewalt Tür und Tor. Man habe vor kurzem eine Veranstaltung zur Aufklärung über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz in der Dresdner Neustadt abgehalten. Dass diese ausgerechnet vor dem Café V-Cake stattfand, kommentierte die Gewerkschaft nicht.
Eine Anfrage von addn.me an den Betreiber des Cafés V-Cake blieb unbeantwortet.
Plakate kritisieren sexualisierte Gewalt im V-Cake.
Plakate beschuldigen den Inhaber des Cafés V-Cake.
Aufmerksame Neustädter*innen konnten in den letzten Wochen mehrfach Plakate an verschiedenen Orten vor allem in der Rothenburger Straße sehen. Verschiedene abgedruckte Sprüche nannten den Betreiber des Cafés V-Cake persönlich. Die Anschuldigung ist eindeutig: ihm werden mehrere Zitate in den Mund gelegt, die Belästigung bagatellisieren, unter anderem auch die bei t-Online auffindbare Bemerkung „Mobbing ist mein Hobby“ Auf den Artikel bei t-online verweist auch der auf den Plakaten abgedruckt QR-Code.
Der Grund für diese anonyme Form der Auseinandersetzung könnte daran liegen, dass die juristische Nachweisbarkeit vieler Anschuldigungen schwierig sein dürfte. In vielen Situationen würden die Aussagen von einzelnen Arbeiter*innen gegen die ihrer Chef*innen stehen und damit kein ausreichender Nachweis erbracht werden. Dieses Muster dokumentiert das Antidiskriminierungsbüro immer wieder. Somit sind öffentliche Äußerungen ganz egal ob wahr oder falsch schnell mit Verleumdungsklagen bedroht. Auch hier gibt das Machtgefälle zwischen Chef*innen und Arbeiter*innen den Vorteil im Zweifel den Mächtigeren.
Einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2019 zeigt, dass 19 Prozent aller Arbeiter*innen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erleben. Dabei sind Frauen1 fast doppelt so oft betroffen wie Männer und ein überwiegender Anteil der angegebenen Täter*innen ist männlich.
Wie sich Betroffene wehren können dokumentiert die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ebenfalls auf einer umfassenden Website.
1 Die Studie differenziert lediglich nach Männern und Frauen und beinhaltet keine anderen Geschlechter.
Titelbild: FAU Dresden
Quelle: addn.me
Mindestlohn? Bleibt! Auch in der Landwirtschaft.

Am Donnerstag den 17.7 fand am Holzmarkt in der Tübinger Innenstadt eine Kundgebung gegen die aktuell diskutierte Senkung der Mindestlöhne von Saisonarbeiterinnen statt. Die Freie Arbeiterinnenunion (FAU) Sektion Tübingen/Reutlingen rief dazu auf sich mit den betroffenen Saisonarbeitskräften solidarisch zu zeigen und die jüngste Forderung des Bauernverbandspräsidenten Rukwied entschieden zurückzuweisen. Dieser hatte wenige Tage zuvor mit der fadenscheinigen Begründung, dass ihr Lebensmittelpunkt nicht in Deutschland liege, gefordert dass Saisonarbeiter*innen in Deutschland kein Mindestlohn mehr gezahlt werden solle – wobei dieser durch massiv übersteigerte Unterkunfts-, Versorgungs- und Vermittlungskosten sowieso häufig nur auf dem Papier existiert.
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) zeigte sich offen für die Forderung und gab gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland an, dass seine Fachleute prüfen, ob es einen rechtssicheren Weg gebe, Ausnahmen vom Mindestlohn möglich zu machen.
Vor allem migrantische Saisonarbeitskräfte machen etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Beschäftigten in Deutschland aus. Sie arbeiten vor allem in arbeitsintensiven Sonderkulturen und kleinen bis mittelgroßen Landwirtschaftsbetrieben und gehören schon jetzt zu der Berufsgruppe mit der schlechtesten Bezahlung, den längsten Arbeitstagen (Beschäftigte berichten teilweise von 10-14 Stundentagen), den menschenunwürdigsten Unterkünften, sowie den meisten (oft auch tödlichen) Unfällen und sind somit die am härtesten arbeitenden und verletztlichsten Beschäftigten der Landwirtschaft.
Die Ortsgruppe der FAU fordert wie ihre überregionale Arbeitsgruppe IGG (Initiative Grüne Gewerke) eine komplette Angleichung der Arbeitsverhältnisse für migrantische Saisonkräfte u.a.hinsichtlich Sozialversicherung, Löhnen und Arbeitsrechten, die Absetzung des Bauernverbandspräsidenten Rukwied und 15€ als Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten in den Bereichen Gartenbau, Forst und Landwirtschaft. „Wenn einer von uns getroffen wird sind wir alle gemeint und dürfen uns das nicht gefallen lassen“, so Lennart von der Ortsgruppe der FAU Tübingen/Reutlingen. Eine Rednerin des Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft Baden-Württemberg zeigte außerdem auf, dass eine zukunftsfähige sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft möglich ist, insofer die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
